Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e.V

Die Digitalisierung und Vernetzung der Haustechnik und Hausgeräte ist längst kein Zukunftsszenario mehr. Smart-Home-Angebote sind gefragter denn je – sie versprechen mehr Sicherheit, Energieeffizienz und Wohnkomfort.

Von Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e.V

Inzwischen nutzt jeder sechste Verbraucher Smart-Home-Anwendungen. Unter den 35- bis 44-Jährigen ist der Nutzeranteil mit fast 25 Prozent am höchsten, wohingegen nur neun Prozent der über 65-Jährigen zu den Anwendern zählen. Trotz zunehmender Verbreitung treten viele Verbraucher der Technik mit Skepsis entgegen. Laut einer Umfrage der Deutschen Energieagentur (dena) kritisieren 60 Prozent der Befragten unzureichende Informationen der Anbieter über Datenschutz und IT-Sicherheit. Gefragt nach den Gefahren, die mit der Technik befürchtet werden, liegen Datendiebstahl und Fernsteuerung von Geräten Hackereingriffe ganz vorne. Das erklärt, warum nur 14 Prozent ihre Daten mit Smart-Home-Anbietern uneingeschränkt teilen würden.

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für das Smart Home

Die Anwendungsgebiete für Smart Home sind vielfältig. So kann beispielsweise aus der Ferne überprüft werden, ob der Herd noch in Betrieb ist oder ob die Rollläden zum Schutz vor Sonne und Einbrechern heruntergelassen wurden. Das Smart Home kann selbständig vor einem herannahenden Gewitter überprüfen, ob die Dachfenster geschlossen und die Markise eingefahren wurden oder dies bei Bedarf gleich mit übernehmen. Ebenso können die Lufttemperatur und -feuchte gemessen und bei Bedarf die Räume über eine smarte Lüftungsanlage selbstständig belüftet werden. Nicht alle Möglichkeiten sind für jeden aber wirklich sinnvoll.

Zuerst sollten deshalb die individuellen Bedürfnisse ermittelt und diese mit den Möglichkeiten des vorhandenen oder neu zu errichtenden Gebäudes in Übereinstimmung gebracht werden. Auch das verfügbare Budget muss berücksichtigt werden, denn umfangreiche Anlagen erfordern nicht selten mittlere fünfstellige Eurobeträge. Deshalb ist zu empfehlen, sich schon in der Planungsphase einen Fachmann für Haustechnik an die Seite zu holen. Er unterstützt bei der Planung und Auswahl von Komponenten unterschiedlicher Hersteller, damit diese zuverlässig und möglichst wartungsfrei zusammenwirken können. Darüber hinaus sollten bei der anschließenden Ausführung Platzreserven und Elektroinstallationsrohre berücksichtigt werden. Durch diese „Leerrohre“ können auch zu einem späteren Zeitpunkt Bus-Leitungen einfach verlegt werden, ohne dass dafür größere bauliche Maßnahmen notwendig sind.

Datensicherheit im Smart Home

Bei allen Anwendungen müssen Verbraucher sich immer fragen, wie sie ihre Daten gegen fremden Zugriff sichern können. Das ist sehr wichtig, denn die Verbrauchsdaten können Rückschlüsse beispielsweise auf An- und Abwesenheiten oder Nutzungsverhalten bieten. Dieses Ausspähen kann für Einbrüche genutzt werden, bei denen Schäden entstehen, die weitaus gravierender ausfallen, als der immaterielle Datenklau im Internet. Damit es nicht so weit kommt, sollten Verbraucher unbedingt bei der Konzeption und Anwendung von Smart-Home-Lösungen folgendes beachten: Zu einem umfassenden Systemschutz gegen fremde Zugriffe durch Cyberkriminelle gehört immer die Sicherung des datentechnischen Zugangs und der Schnittstellen mittels Verschlüsselung und Authentifizierung.

Alle Geräte sollten verschlüsselte Kommunikation unterstützen. Bei der Komponentenauswahl ist darauf zu achten, dass die Hardware, also die Geräte, dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und von den Herstellern langfristig mit relevanten Sicherheitsupdates versorgt werden. Dies ist bei vielen Anwendungen leider nicht selbstverständlich. Die Anwendungen und Geräte sollten immer eine lokale Nutzung ermöglichen, ohne dass jederzeit eine Cloud- oder Internetverbindung bestehen muss. Der Verbraucher sollte bei der Geräteauswahl auch abklären, welche Anwenderdaten an den Hersteller übertragen werden und was mit diesen Daten geschieht. Können diese Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet werden oder sind die Nutzerbedingungen intransparent, sollte man sich um einen anderen Anbieter bemühen. Da sich viele Systeme auch über eine Smartphone-App überwachen und steuern lassen, gelten auch dort alle vorgenannten Voraussetzungen.

Die meisten Smart-Home-Komponenten benötigen bei der Anwendung keine permanente Internetverbindung. Damit das eigene System vor Zugriffen von außen geschützt ist, sollte es nur dann mit dem Internet verbunden werden, wenn es tatsächlich notwendig ist. Oft reicht der Zugriff auf das System aus, wenn man sich innerhalb des Heimnetzwerkes befindet. Wenn mobilen Endgeräten wie Tablets oder Smartphones der Zugriff auf das Heimnetz von außerhalb gewährt werden soll, sollte dies stets über ein virtuelles privates Netzwerk, dem sogenannten VPN, erfolgen.

Und selbstverständlich schützt dies alles nur dann, wenn auch der Router, das Smartphone und das Tablet auf dem aktuellen Stand sind und der Nutzer neue Sicherheitsupdates zeitnah installiert. Neben allen technischen Einstellungen sollte zudem nicht vergessen werden, dass auch nachgelagerte Dienstleister wie etwa Sicherheits-, Pflege- und Serviceanbieter den Datenschutz umfassend sicherstellen. Weitere Informationen bietet der Bauherren-Schutzbund e.V. unter anderem in seinem Ratgeber „Smart Home – Wohnkomfort und Sicherheit“, der auf www.bsb-ev.de kostenlos heruntergeladen werden kann.

Weitere Informationen unter: www.bsb-ev.de