Ähnlich wie bei den Volkbanken lief es bisher auch bei den Sparkassen. Es gibt eine eigene Android-App für das mobile Bezahlen. Was fehlte ist der Zugang zum NFC-Chip auf Apple Geräten. Auch die Sparkassen wollen nun Apple Pay einführen. Es wird von „sehr positive Gesprächen mit Apple“ berichtet. Ziel sei die Einführung von Apple Pay noch in diesem Jahr. Das ist aber noch unbestätigt. Foto: Sparkasse

Mit Apple Pay und Google Pay sind zwei mobile Zahlungsmöglichkeiten auf dem deutschen Markt, die das Potenzial haben, an der Kassen einigen zu verändern. Besonders nachdem Sparkassen und Volksbanken bei Apple Pay mitspielen wollen.

Ein Einkauf, nehmen wir an, Sie müssten 17,89 Euro bezahlen. Was tun Sie? Bezahlen selbstverständlich. Sie haben ja auch die Waren dafür eingesackt. Aber wie bezahlen Sie? Ziehen Sie Ihre Girocard, die weitläufig noch als EC-Karte bekannt ist, aus der Geldbörse oder zahlen Sie bar, mit Münzen und Scheinen. Ganz nach dem Motto „Nur Bares ist Wahres“. Oder zahlen Sie vielleicht sogar digital und kontaktlos. Das geht entweder mit vielen Giro- und Kreditkarten oder gar mit den neuen Diensten Google und Apple Pay? Verändert sich etwas in Deutschland? „Die Mehrheit der Bundesbürger erwartet einen Durchbruch für das elektronische Bezahlen in den kommenden Jahren.“ Das schreibt die Bitkom, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, Mitte Dezember, also kurz nach der Einführung von Google Pay und Apple Pay in Deutschland. Und weiter: „Bereits heute geht nur noch jeder fünfte Bundesbürger (21 Prozent) davon aus, dass auch in 20 Jahren hierzulande Bargeld noch das dominierende Zahlungsmittel sein wird. Jeder Dritte (35 Prozent) glaubt dagegen, dass es damit bereits spätestens in 10 Jahren vorbei ist.“

Bald ohne Bargeld?

Ist das der Abgesang auf das gute alte Bargeld? Zumindest in Deutschland und in nächste Zukunft sicher nicht. Das renommierte Handelsblatt schreibt dazu auf deren Website: „Selbst wenn es gelänge, alle Menschen zum bargeldlosen Zahlen zu zwingen, sehen Ökonomen viele Probleme in einer bargeldlosen Welt. Zentralbanken hätten ohne Bargeld ein echtes Geldproblem. Die Notenbanken erwirtschaften ihre Gewinne zu einem großen Teil mit dem Drucken von Banknoten und dem Prägen von Münzen. Dabei sind die Gewinnmargen groß, denn ein Euro-Schein hat zum Beispiel Produktionskosten von durchschnittlich acht Cent. Die Differenz zum aufgedruckten Wert ist der Gewinn der Zentralbank, denn sie liefert die Scheine an Banken aus, die ihr dann den Geldwert schulden.“ Das Bargeld wird also nicht so schnell verschwinden, aber an den Kassen in Zukunft dem mobilen Bezahlen Platz machen müssen. Vor allem nachdem Apple und Google ihre eigenen digitalen Zahlungssystem in Deutschland auf den Markt gebracht haben.

Häufiger mit Smartphone zahlen

Apple Pay wurde am 11. Dezember 2018, in Deutschland gestartet, nachdem der Bezahldienst bereits 2014 in den USA und 2015 im Vereinigten Königreich eingeführt wurde. Zahlen mit Apple Pay erfolgt einfach mit Touch ID auf dem iPhone oder durch einen Doppelklick auf den Seitentaster sowie durch Authentifizierung mittels eines Blicks per Face ID. Bezahlt werden kann mit Apple Pay übrigens an allen NFC-fähigen Kassen-Terminals, so vermeldet es der Konzern aus Cupertino, die mit dem Apple-Pay-Logo oder dem Zeichen für kontaktlose Zahlung versehen sind. Foto: Apple

Wie es hierzulande einmal laufen kann, zeigen uns andere Länder, wie die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und Frankreich. So nutzen Zahlen von Statista zufolge in den USA 60,1 Millionen Menschen mobile Zahlungsmittel an den Kassen. In UK sind es noch 12,4 Millionen und im Nachbarland Frankreich 5,7 Millionen Nutzer. Deutschland liegt nach den Zahlen aus dem Jahr 2018 abgeschlagen mit 2,2 Millionen Nutzern hinten. Nach Einschätzungen von marktforschung.de bezahlen deutsche Smartphone-Nutzer immer häufiger mit dem Smartphone. „In den vergangenen vier Monaten hat das Interesse und die Bereitschaft mit dem Handy zu bezahlen, laut SKOPOS entscheidend zugenommen: Kannten im Herbst letzten Jahres noch 74 Prozent aller Android-Nutzer ‚Google Pay‘ – zumindest dem Namen nach – sind es inzwischen schon vier von fünf Nutzer. Außerdem ist 60 Tage nach dem Deutschland-Start für 88 Prozent der Nutzer von Apple-Smartphones ‚Apple Pay‘ ein Begriff.“ Vor allem, wenn, wie angekündigt, die beiden großen Bankengruppen in Deutschland, die Sparkassen sowie die Volksbanken, planen, noch in 2019 Apple Pay zu unterstützen. Auf Android-Seite haben beide Banken-Gruppen eigene mobile Bezahl-Lösungen auf NFC-Basis am Start.

Sparkassen und Volksbanken

Die Volksbanken haben seit kurzem eine eigene App für das mobile Zahlen parat. Diese App gibt es ausschließlich für Android. Hintergrund der Beschränkung ist der fehlende Zugang zum NFC-Chip auf iPhones. Jüngst hat Andreas Martin, Vorstand des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), angekündigt, dass sich der Verband in Gesprächen mit Apple befinde, um möglicherweise noch in 2019 den Kunden Apple Pay anbieten zu können. Foto: Volksbank

Kurz nach dem Start von Apple Pay sah es für die Freunde des iPhones noch schlecht aus. Denn Sparkassen und Volksbanken forderten Apple auf, die Nutzung der NFC-Antenne in den iPhones für die Bank-eigenen Apps freizugeben, die Apple bislang nur zum Lesen von NFC-Tags für Drittanbieter Apps freigegeben hat. Ein ähnliches Ansinnen einiger australischer Großbanken ist bereits 2016 gescheitert. Die Geldinstitute Down Under versuchten über einen Antrag bei den dortigen staatlichen Wettbewerbshütern eine Freigabe von NFC (Near Field Communication) im iPhone zu erzwingen.

Die deutschen Sparkassen und Volksbanken stehen nach eigenen Angaben nun in Verhandlungen mit dem Unternehmen aus Cupertino und wollen wohl noch in 2019 Apple Pay für die eigenen Kunden ausrollen. Neben Kreditkarten soll wohl auch die Girocard genutzt werden können. Gesichert sind diese Informationen aber alle noch nicht.

Zumindest haben, allen voran Apple Pay sowie Google Pay und auch die Bank-eigenen Android-Bezahllösungen, die Chance und das Potenzial, das Zahlverhalten in Deutschland maßgeblich zu verändern. (cst)