Der neue Nuki Opener soll nach der Installation mit der "alten" Sprechstelle kommunizieren und das smarte Öffnen der Haustür ermöglichen. Foto: Carsten Steinke

Nuki ist der in Österreich beheimatete Experte für nachrüstbare smarte Türschließsysteme. Seit der IFA gesellt sich zum Smart Lock mit dem Opener eine Lösung für Mieter in Mehrfamilienhäusern dazu. Der Hersteller schreibt dazu: „Der Nuki Opener macht aus deiner bestehenden Gegensprechanlage einen smarten Türöffner und wurde zur Selbstinstallation in deiner Wohnung konzipiert.“ Wir haben den Test gemacht und die Selbstinstallation gewagt.

Nuki Opener im Test
Die Installations- und Verkabelungsanleitung bekommt der Heimwerker in der Nuki-App dargestellt. Screenshot: Carsten Steinke

Bevor sich der Freund smarter Schließsysteme an den Kauf des Openers macht, sollte er erst einmal die Kompatibilität seiner Sprechstation überprüfen. Denn es kann sein, dass sich, trotz sehr langer Positivliste, das Gerät aus Graz noch nicht für das an der Tür vorhandene System eignet. In unserem Fall war eine Twinbus-Sprechstelle von Ritto das Testumfeld, die auf der Kompatibilitätsliste zu finden ist.

Schraubenzieher ist mit dabei

Nuki Opener im Test
Eine Zweidraht-Verkabelung: Da kann die Installation doch nicht schwierig sein, oder? Foto: Carsten Steinke

Nach dem Öffnen der Verpackung kam der Opener selbst, ein kleines schwarzes Heftchen und eine Tüte mit einem bunten Kabelstrang, Klemme, Schrauben und einem kleinen Schraubenzieher zum Vorschein. Damit gehört Nuki zu den wenigen Herstellern, die quasi gleich das Installationswerkzeug beilegen. Dem mutigen Sprechanlagen-Bastler sei an dieser Stelle aber schon gesagt, dass der beigelegte Schraubenzieher nicht reicht. Der Tester der Smart-wohnen-Redaktion empfiehlt, eine kleine Elektroniker-Spitzzange, denn bei der Installation müssen dünne Kabel gezogen und gesteckt werden, und eine Lampe, denn in einem Sprechstellen-Gehäuse kann es ganz schön dunkel sein.

Soweit zum Vorgeplänkel. Das Gehäuse der Sprechstellt ist schnell geöffnet. Wer von Vermieter oder dem Vormieter keine Unterlagen zur Bedienung erhalten hat, wird im Internet sicher schnell fündig. Nach wenigen Handgriffen ist der vordere Teil des Gehäuses entfernt. Zu Tage treten mehrfarbige dünne Kabel, die von außen mit der Platine der Sprechstelle verbunden sind. Wichtig sind dabei auch die Beschriftungen der Stecker oder Klemmen – nämlich in welchem „Loch“ welches Kabel steckt. In unserem Fall steckte das rote Kabel auf Position a und der schwarze auf Position b.

Nuki Opener im Test
Mit dem Nuki Opener kommen mehr Kabel und eine zusätzliche Klemme in das Gehäuse der „alten“ Sprechstelle. Foto: Carsten Steinke

Nun beginnt nicht nur der Spaß, sondern kommt auch die Elektroniker-Spitzzange zum Einsatz. Denn zumindest mit den Wurstfingern des Testredakteurs war kein exaktes Ziehen und Stecken der dünnen farbigen Käbelchen möglich. Denn nun kommt: „Verbinde die bunten Nuki Kabel mit den Anschlüssen deiner Gegensprechanlage“. So steht es in der App. Denn die Installationsanleitung befindet sich nicht in dem kleinen schwarzen Heftchen, das dem Gerät aus der Alpenrepublik beiliegt, sondern wird in der App nach dem Connect des Openers angezeigt. Nun geht es ans Eingemachte: Das orange und das grüne Kabel des Nuki-Kabelstrangs müssen in den Ritto-Stecker. Platz ist dort, aber wie bekommt der Heim-Bastler besagte Kabel sicher in den Stecker? Zumindest so sicher, dass sie nicht gleich wieder rausrutschen. Schrauben gibt es am Ritto-Teil zumindest nicht. Drücken? Nur wo?! Einfach die zusätzlichen Kabel mit etwas Druck in die Löcher bugsieren?! Das hält nicht. Es muss eine andere Lösung geben?! Die gab es. Nach dem ein oder anderen Fluch und einer längeren Internet-Recherche steckten die Nuki-Kabel schließlich an ihren Platz. Ob sicher oder nicht – das muss die Zukunft zeigen.

Der Heim-Bastler ist gefragt

Mit dabei im Verkabelungsreigen ist auch die Klemme von Nuki. Die hat kleine Hebelchen, die zum Öffnen hoch und zum sicheren Schließen und Verklemmen der Kabel wieder heruntergedrückt werden müssen.

Nuki Opener im Test
Die Installations- und Verkabelungsanleitung bekommt der Heimwerker in der Nuki-App dargestellt. Screenshot: Carsten Steinke

Nachdem die Kabel halbwegs sicher an ihrem Platz sind, muss noch die etwas voluminöse Nuki-Klemme zusätzlich ins Gehäuse der Sprechstelle. Bis der Gehäusedeckel wieder sauber geschlossen ist, muss doch ein wenig gefummelt werden.

Einmal installiert, ist der Opener eine schöne Sache. An dieser Stelle lassen wir noch einmal den Hersteller zu Wort kommen: „Der Nuki Opener ist die smarte Nachrüstlösung für deine bestehende Intercom und macht sie per App steuerbar – natürlich auch von unterwegs!“ Und: „Mit dem Nuki Opener steuerst du deine Gegensprechanlage und öffnest die Haustür deines Mehrparteienhauses.“ Wer erwartet mit dem Opener auch mit den Menschen vor der Haustür über App und Smartphone sprechen zu können, dem sei eine Absage erteilt. Denn das geht mit der getesteten Version des Openers nicht. Es passiert exakt was der Hersteller sagt: „… [du] öffnest die Haustür deines Mehrparteienhauses.“ Nicht mehr und nicht weniger. In Kombination mit dem Smart Lock kann so – auch als Mieter in einem Mehrfamilienhaus – der schlüssellose Zugang geschaffen werden. Und das Nuki-System kann beim Auszug wieder spurenfrei entfernt und mitgenommen werden.

Nuki Opener im Test
Mit der Funktion „Ring to Open“ genügt ein Klingeldruck und schon öffnet sich die Haustür. Screenshot: Carsten Steinke

Apropos Kombination. Was noch erwähnt werden sollte, ist, dass für die Bedienung des Openers über das Internet und die Smartphone-App die Nuki Bridge benötigt wird. Wer bereits sein Smart Lock mit der App bedient, hat das kleine Gerät bereits im Haus. Wer das noch nicht tut, muss die Bridge nachkaufen.

Fazit

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf einen Satz des Herstellers zu sprechen: „… und wurde zur Selbstinstallation in deiner Wohnung konzipiert.“ Wenn es sich beim Heim-Installateur um einen passionierten Bastler handelt, der wie selbstverständlich eine Elektroniker-Spitzzange aus dem Werkzeugkasten zieht, ist die Selbstinstallation sicher kein Problem und schnell gemacht. Das Gros wird aber an der Verkabelung verzweifeln und sich beim Elektriker des Vertrauens Hilfe holen. Denn, soviel sei gesagt, ein bisschen Mut gehört schon dazu, sich mit den vielen farbigen dünnen Kabeln „anzulegen“.