Mit einer modernen Innenkamera entgeht Ihnen nichts mehr. Sei es der Hund oder gar der Einbrecher – Sie können jederzeit schnell reagieren. AssaAbloy

Kameras, die Haus und Hof überwachen, suggerieren Sicherheit. Wir haben uns auf dem Markt der smarten Kameras umgesehen. Lesen Sie hierzu unsere Tabelle.

Die Engländer mögen ihr CCTV. Auf diese Idee kann der Reisende vom Kontinent schon kommen, wenn er entweder durch London, Bristol oder Plymouth streift und sich umschaut. Denn die Überwachungskameras sind auf der Insel fast überall installiert. Dort werden sie übrigens kurz CCTV genannt, das für Closed Circuit Television steht.

Eine Polizistin im englischen Birmingham testet Videoaufzeichnung auf Streife. West Midlands Police

Überwacht werden Autobahnen, Innenstädte, Bahnhöfe, Plätze, Straßenzüge, quasi alles. Nach größeren Verbrechen wird nicht selten von den Medien eine umfangreichere und bessere Videoüberwachung gefordert. So schreibt das Plymouth City Council, also die dortige Stadtverwaltung: „We have over 320 CCTV cameras in and around the city to help keep everyone safe.” Mehr als 320 Überwachungskameras hat die Verwaltung der 260.000-Einwohner-Stadt am Tamar im Einsatz. Dazu kommen unter anderem noch die Kameras der Devon and Cornwall Constabulary, der dortigen Polizei.

Viele Kameras = viel Sicherheit?

Das schafft Sicherheit. So argumentieren zumindest die Behörden im Vereinigten Königreich. Und diese Sicherheit wollen sich Hierzulande auch private Hausbesitzer holen. Dafür haben viele Hersteller zahlreiche Kameras auf den Markt gebracht. In diesem Artikel wollen wir uns um die smarten Überwachungskameras kümmern, die sich mit WLAN in das heimische Netz einbinden lassen und ihre Bewegtbilder meist live über eine App auf das Smartphone transportieren. Die Bilder werden in der Regel dafür auf den Server des Hersteller übertragen und können von dort bequem mit der kostenlosen App mit oder ohne Abo-Modell angeschaut werden.

Der Kamera-Kontrollraum der „Central Motorway Police Group“ und der Highways Agency im englischen Quinton. West Midlands Police

Hochauflösende Bilder

Bei der Auswahl der richtigen Kamera gibt es viele Faktoren, die in die Entscheidung für ein Gerät hineinspielen. Starten wir mit der Auflösung, die der Chip im Inneren liefert. Das Spektrum reicht dabei meist von 1280 x 720 Bildpunkten bis hin zu Full HD mit 1920 x 1080 Pixeln. Letztere Auflösung ist meist von den heimischen Fernsehern bekannt. Inzwischen sind sogar Überwachungskameras auf dem Markt, die eine 4k-Auflösung liefern. Für Privatnutzer sind solche Geräte aber meist noch zu teuer und von den Herstellern aus diesem Grund als Business-Kameras platziert.

Die Überwachungskamera hat alles im Blick. Smartfrog

Kompression und „schmale“ DSL-Anschlüsse

Um die Bewegtbilder bei diesen hohen Pixelzahlen mit ebenfalls hohen Datenmengen durch die teilweise im Upload noch recht „schmalen“ DSL-Anschlüsse zu bekommen, setzen fast alle Kamera-Anbieter auf Datenkompression und dabei auf das effiziente Kompressionsverfahren H.264. Mit diesem Verfahren erhält der Nutzer einen „kleineren“ Datenstrom bei gleicher Bildqualität. Ein Nachteil hat das Verfahren allerdings doch, die Kameras müssen eine höhere Rechenleistung aufweisen, um die Live-Videobilder zu komprimieren.

Dedicated Server im Rechenzentrum von 1&1.
Foto: 1und1 Internet SE

Videostreams landen in der Cloud

Eingangs ist bereits angeklungen, dass in der Regel der Videostream über den Server/Cloud-Server des Herstellers geleitet wird. Von dort können die Bilder dann bequem auf die Handy-App übertragen werden. In der Regel ist die Darstellung von Live-Bildern kostenlos. Wenn die Daten aber für späteres Anschauen gespeichert werden sollen, werden oft Kosten unter anderem durch Abos fällig – abhängig von der Speicherdauer. Diese Dienstleistung lassen sich die Anbieter meist gut bezahlen. Um den Nutzer von der Notwendigkeit der Bezahldienste zu überzeugen, bieten viele Kameras keine lokale Speicherung an oder ein Slot für die Installation einer Speicherkarte fehlt.

Im Dunkeln sehen

In der Nacht sind alle Katzen grau. Dieses alte Sprichwort stimmt nicht nur, wenn es um das menschliche Auge geht. Auch die smarten Überwachungskameras schalten bei Dunkelheit in den Schwarz-Weiß-Modus und wenn das Restlicht auch dafür nicht mehr ausreicht, kommt bei fast allen Modellen eine Infrarot-LED zum Einsatz, um die Nacht, zumindest ein kleines bisschen, zum Tag zu machen.

Brauchen Sie einen Infrarot-Strahler?

Nachteil: Die Leuchtkraft der verbauten LEDs reicht meist nur aus, um wenige Meter davor auszuleuchten. Wer den dunklen und großen Hof überwachen möchte, sollte über die Anschaffung eines IR-Strahlers nachdenken. Ein weiterer Nachteil zeigt sich beim Zusammentreffen von Megapixel-Kameras und Dunkelheit. Auf den hochauflösenden Bildsensoren werden immer mehr Pixel verbaut, die Chips werden aber nicht größer. Dadurch sinkt die Lichtempfindlichkeit der Sensoren und die hochgelobten Megapixel-Überwacher beginnen eher zu rauschen als ihre ungeliebten, alten analogen Schwestern mit der äußerst geringen Auflösung.

Mit einer Kamera, wie der 360 Grad Innenkamera von Bosch Smart Home, entgeht Ihnen nichts mehr. Die Daten werden lokal und verschlüsselt aufgezeichnet. Bosch Smart Home

Privatsphäre schützen

Können Kameras denn auch die Privatsphäre schützen? Die Frage klingt ein wenig der Wirklichkeit entrückt. Überwachungskameras sollen doch nur das eine können: überwachen, und die smarte Darreichungsform soll die Live-Bilder ja auch noch unterwegs nutzbar machen. Einige wenige Kamerahersteller haben sich der Idee, die Privatsphäre trotz Kamera zu schützen, angenommen und Lösungen erarbeitet. Bei einem Modell lässt sich das Objektiv durch einen Stups auf den Kopf einfahren, bei einem anderen geht das ganz bequem per App-Steuerung.

Gesichtserkennung

Auch das Maskieren, also quasi das Unkenntlichmachen mit schwarzem Balken vor einem Teil des Überwachungsbereichs oder vor dem Gesicht eines der Überwachten ist technisch möglich. Wenn es um die Unkenntlichmachung des menschlichen Gesichts geht, muss dieses aber erst einmal erkannt werden. Und schon sind wir bei einem weiterem Punkt moderner Überwachungskameras: der Gesichtserkennung. Einige Hersteller haben die Software soweit aufgebohrt, dass Menschen, Tiere und Autos erkannt werden. Sogar das Betreten des Überwachungsbereichs einer vorher gespeicherten Person (Gesichtserkennung) kann erkannt und angezeigt werden. Schöne neue Überwachungswelt.

Kriminaloberat Harald Schmidt
Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Die Polizei rät

„Weit über ein Drittel aller Einbrüche scheitern bereits an einer guten Sicherung der Häuser oder Wohnungen“, sagt Einbruchschutzexperte Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention. „Wir empfehlen daher eine mechanische Sicherung aller Fenster und Türen, damit ungebetene Gäste erst gar nicht hineinkommen.“ Die immer mehr eingesetzte Smart-Home-Technologie könne dabei allenfalls als Ergänzung zur mechanischen Sicherung dienen, denn Smart-Home-Lösungen allein stellen kein durchgängiges und damit zuverlässiges Einbruchmelde- bzw. Gefahrenwarnsystem dar.

Spielen Sie etwas vor

„Aus polizeilicher Sicht ist diese Technik nur zur Anwesenheitssimulation zu empfehlen, das heißt, das System spielt einem äußeren Betrachter beispielsweise durch Rollladen- und Lichtsteuerung ein bewohntes Haus vor“, so der Experte. Wer das System für mehr Komfort nutzen will, sollte sein Smart Home jedoch ausreichend absichern, um sich vor Sabotage und Angriffen von außen zu schützen. Denn ungeschützte Systeme, ob mit oder ohne Zugang zum Internet, bergen Risiken. Wer in seinem Smart Home neben Komfort- und Energiemanagement auch Einbruchschutz erreichen will, sollte sich vom Fachbetrieb eine geprüfte und zertifizierte Alarmanlage mit Smart-Home-Funktion einbauen lassen. Alle Empfehlungen und Tipps in Sachen Smart Home und Einbruchschutz gibt es unter anderem unter www.polizei-beratung.de.

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