Digitale Schlafhelfer

    Kann digitale Sensortechnik unter der Matratze oder ein Hightech-Kissen zum Kuscheln die Schlafqualität verbessern? Was es gibt und was sie können: die smarten Schlaf-Helfer von heute.

    Titelbild Snoo

    Seit Monaten verfolge ich meinen Schlaf. Nicht als personifiziertes Nachtmonster in der Dunkelheit, sondern ganz gezielt mithilfe meiner Smartwatch, einer „fitbit charge 3“ (Kostenpunkt zirka 90 Euro über amazon.de). Tagsüber zählt der Fitnesstracker meine Schritte, misst meinen Plus und bei Nacht zeichnet er mit Hilfe einer passenden App meinen Schlafrhythmus auf. Die Uhr am Handgelenk schaltet in den Schlafmodus, sobald sich der Körper entspannt und längere Zeit nicht mehr bewegt. Ich hatte in der Vergangenheit immer das Gefühl, dem gängigen durchschnittlichen Acht-Stunden-Schlafziel hinterherzuhinken. Ich fühlte mich müde und nicht ausgeruht. Schlafstörungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden in unserer Bevölkerung. Etwa 25 Prozent aller Erwachsenen leidet mal mehr, mal weniger darunter. Ich selbst weiß jetzt: Ich muss gar nicht acht Stunden am Stück schlafen, weil Schlaf nun mal eine ganz individuelle Sache ist. Nach zirka fünf Schlafprotokollen durch die App wusste ich ziemlich genau über meinen Schlafindex samt Schlafphasenerkennung Bescheid. Das war aufschlussreich und impulsgebend, an meiner Abendroutine etwas zu ändern: Meine Tiefschlafphase könnte länger sein, meine Einschlafzeit früher, mein Puls dagegen war im wahrsten Wortsinn die Ruhe selbst.

    Snoo Smart Sleeper

    Von Anfang an

    Die Babywiege „Snoo Smart Sleeper“ ahmt die beruhigenden Rythmen im Mutterleib nach. Das sorgt laut Hersteller dafür, dass Babys besser schlafen. Snoo

    Das klang an sich schon mal ganz gut. Daher fiel es mir relativ leicht ein neues Schlafziel zu definieren. Seither bin ich mit meiner aufgezeigten Schlafqualität von soliden 70 bis 80 Prozent fast immer im grünen Bereich. Ich habe eine Schlafzeiterinnerung und ein festgelegtes Aufwachziel. Klappt prima, mir geht es besser damit. Und keine Sorge: Auch mal ein Stündchen drüber oder drunter macht gar nix. Ein Fitnesstracker als digitalen Schlafhelfer kann ich persönlich all jenen empfehlen, die nachts immer mal wieder mit leichten, unruhigen Nächten zu kämpfen haben und sich ein festes Schlafmuster wünschen. Einige Menschen schwören auf Einschlafhilfen in Form von sogenannten „White Noise“-Geräuschen, auch weißes Rauschen genannt: Es handelt sich im Prinzip um ein montones, über alle Frequenzen gleichbleibendes Geräusch. Das soll unserem Gehirn helfen, schneller abzuschalten und besser einzuschlafen. Über Youtube und Smartphone-Apps gibt es das Klangspiel schon seit einigen Jahren. Komfortabler klappt das Ganze per Sprachassistent, etwa mit einem „Echo Dot“ von Amazon. Noch mehr auf dem Kasten hat der Schlafroboter „Somnox“ von Auping: Das Hightech-Kissen lässt sich wie ein Kuscheltier halten und simuliert nicht nur durch gleichmäßiges Anheben und Absenken des Körpers einen zum Einschlafen geeigneten Atemrhythmus, sondern spielt gleichzeitig auch entspannende „White Noise“-Töne ab.


    Mehr wissen dank Sensor


    Detailliert in der Auswertung sind Schlafsensoren unter der Matratze. Damit lässt sich der Schlaf bis in den kleinsten Zyklus tracken und das dürfte auch bei schwerwiegenderen Schlafsstörungen eine Hilfe sein. Zunehmend spielen die digitalen Schlaf-Helfer auch im Gesundheitssektor eine wichtige Rolle: Patienten mit Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Diabetiker sind zum Beispiel Risikokandidaten, wenn es um nächtliche Atemaussetzer geht. Bislang musste die sogenannte Schlafapnoe mit teils invasiven Maßnahmen behandelt werden, etwa einem Schrittmacher unter der Zunge. Nun gibt es seit diesem Jahr den Schlafsensor „Withings Sleep“. Und der ist noch einzigartig auf dem Markt, läuft als medizinisches Gerät und kommt einer laborgenauen Analyse so ziemlich nah. Er dokumentiert Schnarchepisoden, Herzfrequenz, Tief- und Leichtschlaf und vieles, vieles mehr. Praktisch: Die Ergebnisse lassen sich per App mit einem Arzt zur Diagnostizierung von Schlafapnoe teilen. Mit rund 130 Euro ein echtes Schnäppchen, das vielleicht Leben retten kann.

    Philips SmartSleep Snoring Relief

    So hört das Schnarchen auf

    Das Band gibt bei Rückenlage sanfte Vibrationen ab. Das soll den Schlafenden dazu bringen, die Position zu wechseln, was bei positionsbezogenem Schnarchen hilft. Philips


    Schlaf, Kindlein, schlaf


    Selbst für die ganz Kleinsten unter uns gibt es ab Tag Eins der Geburt digitale Unterstützung beim Schlaf. Seit Juni 2020 in Deutschland erhältlich ist die Babywiege „Snoo Smart Sleeper“. Das Bett wurde 2016 in den USA entwickelt und basiert auf Dr. Harvey Karps Entdeckung, dass alle Babys mit einem Beruhigungsreflex geboren werden, den sie durch die natürlichen Bewegungen und akustische Geräusche im Mutterleib spürten. Diesen Mix aus Bewegung und Geräuschen ahmt die Babywiege nach. Erfahrungswerte gibt es hierzulande leider noch wenig. In diversen Eltern-Foren aus den USA erhält die Wiege viel positive Resonanz. Zu Recht? Das Konzept klingt – vor allem für diejenigen unter uns, die bereits Kinder haben – logisch durchdacht und sehr vielversprechend. Einen Wehrmutstropfen gibt es: Für dieses zusätzliche „Paar Hände“ müssen Eltern einiges an Scheinen berappen. Mit einem stolzen Preis von 1.295 Euro ist das Babymöbel eine vergleichsweise teure Anschaffung.


    Gefällt mir, gefällt mir nicht?!


    Und am Ende bleibt die Frage: Was taugen die digitalen Gadgets tatsächlich? Echte Langzeitstudien und schlafstatistische Auswertungen gibt es heute noch nicht wirklich – positive Resonanz dagegen schon, auch von Experten wie der Deutschen Herzstiftung e.V. So erklärt zum Beispiel Professor Dr. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat: „Smartwatches können helfen, relevante Daten des Herzrhythmus aufzuzeichnen und einen unregelmäßigen Herzschlag, der auf Vorhofflimmern hindeutet, zu detektieren. Auf diese Weise kann die App für den betreuenden Arzt bei der Diagnose-Stellung hilfreich sein.“ Das ist vor allem während der Nacht für viele Betroffene eine zusätzliche, mentale Stütze. Dennoch: Keines der hier vorgestellten Produkte ist ein Heilmittel für gravierende Ein- und Durchschlafprobleme oder ersetzt bei gesundheitlichen Beschwerden den Gang zum Arzt! Wer jedoch hin und wieder mit dem Nachtschlaf zu kämpfen hat oder an kardiologischen Beschwerden leidet, sollte den smarten Helfern aus der digitalen Welt unbedingt eine Chance geben.

    Geschrieben von Redaktion am 28.09.2021

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