Smart-Home-System Homematic IP von eQ-3 im Test
Foto: Carsten Steinke

Wer hat Angst vorm smarten Haus?! Sie kennen die Antwort. Niemand. Wir haben mit Homematic IP vom niedersächsischen Anbieter eQ-3 eins der am weitesten verbreiteten Smart-Home-Systeme für Sie installiert und einem Test unterzogen.

Ist es wirklich so kompliziert ein Smart-Home-System einzurichten? Nein, ist es nicht. Jeder, der eine Glühlampe auswechseln kann, kann ein solches intelligentes System einrichten. Und sicher sind die meisten Systeme auch. Wir haben den Test gemacht und mit Homematic IP vom niedersächsischen Hersteller eQ-3 eines der am weitesten verbreiteten Smart-Home-Systeme auf dem Markt auf den Prüfstand gestellt. Nach Angaben des Herstellers, der sich auf das schwedisches Marktforschungsinstitut Berg-Insight beruft, sei eQ-3 2018 zum vierten Mal in Folge zum Marktführer in Europa gekürt worden.

Einfacher Einstieg ins Smart Home

Der Einstieg in das eigene Smart Home ist ganz einfach. Meist läuft er über die Heizkörpersteuerung, genauer über den Austausch der alten manuellen Heizkörper-Thermostate gegen smarte. Wenn sich dann noch Tür- und Fenstersensoren dazugesellen, ist das eigene Smart Home eigentlich schon komplett. Und um eines der anfangs angeführten Vorurteile an dieser Stelle schon zu zerstreuen: Mit dieser Einstiegsvariante wird aktiv Geld gespart. eQ-3 rechnet vor und schreibt: „Das sorgt für Wohnkomfort und spart durch die effektive Nutzung der Energiekosten von bis zu 30 Prozent.“ Bis zu satten 30 Prozent Ersparnis, das ist doch schon mal eine Hausnummer.

Schritt 1: Access Point von Homematic IP einrichten

Aber wie kompliziert ist die Einrichtung? Wir haben zuerst den Access Point von Homematic IP eingerichtet. Und das geht ganz simpel. Zu aller erst muss die Homematic-IP-App heruntergeladen werden. Egal ob aus App- oder Play Store. Dann geht es an die Verkabelung der Access Point genannten Basisstation. Ein Netzwerkstecker und ein Netzteil für den Strom sind beigelegt. Das kurze Netzwerkkabel, das an den Router angeschlossen wird ist ideal, um den Access Point neben den Router zu stellen. Wer einen weiteren Switch betreibt, kann die Basisstation selbstverständlich auch dort einstecken.

Nun führt die App den Smart-Home-Neuling gut durch den Anmeldeprozess. Sogar wo die Stecker hinein müssen, ist gut beschrieben. Der erfahrene Heimtechniker wird schnell auf „Weiter“ drücken. Dann muss nur noch die Gerätenummer mittels eines QR-Codes erfasst werden. Der QR-Code ist übrigens auf der Rückseite der Basisstation zu finden. Alles ganz simpel und einfach erklärt. Da macht es der Hersteller aus Leer dem Neuling ganz einfach. Angst etwas falsch zu machen, muss dabei keiner haben. Übrigens, genauso, nämlich mit dem Einscannen eines QR-Codes, wird jedes neue Gerät dem Smart-Home-System hinzugefügt.

Datenschutz und Sicherheit von Homematic IP

Ist es Ihnen aufgefallen? Es wurden keine persönlichen Daten abgefragt. Weder mussten Sie angeben wer Sie sind, wo Sie wohnen, noch wurden überhaupt relevante Daten angefragt. Der findige Nutzer wird entgegnen, dass über die IP-Adresse der Wohnort leicht zu ermitteln ist. Das ist nur bedingt richtig. Ein Beispiel: Getestet haben wir in unseren Redaktionsräumen in Stuttgart, unser Internetanbieter heißt Colt. Wir haben für diesen Test mehrere Geolocation-Dienste abgefragt. Einer verortet unseren „Wohnort“ in London, ein weiterer in Frankfurt am Main und der dritte erklärt schlicht „Not Available“.

Wenn wir schon beim Thema Datenschutz und Datensicherheit sind. Die Datenübertragung zwischen Basisstation und den „angeschlossenen“ Geräten erfolgt über Funk und ist verschlüsselt. Ebenso wird die Kommunikation mit dem Internet-Server von eQ-3 verschlüsselt. Wer mehr wissen möchte: Verschlüsselt wird mit AES-128 und CCM. AES ist ein symmetrisches Verschlüsselungsverfahren mit einer Schlüssellänge von 128 Bit. Die Kollegen von Heise Security schreiben dazu: „Der unangefochtene Platzhirsch in diesem Bereich ist der Advanced Encryption Standard (AES). Es sind keine nennenswerten Schwächen bekannt; so gut wie alle angesehenen Kryptologen vertrauen ihm.“ Sicherer wäre es zwar, wenn eQ-3 eine Schlüssellänge von 192 oder 256 Bit einsetzen würde. Aber für den Zweck anonyme Daten aus der Basisstation zu übertragen, genügen die gebotenen 128 Bit locker.

Schritt 2: Installation der Heizkörper-Thermostate

Die Installation der Heizkörper-Thermostate ist fast so einfach wie das Setup der Basisstation. Nur muss dabei in einigen Fällen ein Schraubenzieher in die Hand genommen werden. Aber keine Angst. Mit dem Wasser der Heizung kommen wir in keinem Fall in Kontakt und die handwerklichen Anforderungen sind ebenfalls für jeden zu bewältigen. Erst muss das alte Thermostat ab. In unserem Fall ein Danfoss. Besagter Schraubenzieher kommt für die Befestigungsschraube zum Einsatz und nach ein wenig Ruckeln und Ziehen ist der manuelle Regler ab. Jetzt muss der richtige Adapter her.

eQ-3 hat dafür eine kleine Plastiktüte mit den drei gängigsten Adaptern beigelegt. Die richtige Auswahl ist schon schwieriger. Im beiliegenden Heftchen mit der Aufschrift „Montage- und Bedienungsanleitung“ ist der Unterschied zwischen den Ventilen Danfoss RAV und RAVL nicht auf Anhieb zu erkennen. Der Text zu beiden Varianten ist – wie die Abbildungen – annähernd gleich. Der Adapter ist aber ein anderer. Der für das RAV-Ventil muss verschraubt und der Stößel (das ist der Stift in der Mitte) mit einer Verlängerungskappe versehen werden. Beim RAVL genügt es einen Ring aufzustecken. Die Auswahl ist also ein Stück weit Glückssache. Wir stecken den Ring für das RAVL-Ventil auf und hoffen, den richtigen erwischt zu haben.

Nach dem Aufstecken des Adapters muss nur noch das Batteriefach geöffnet und der Plastikschnippel gezogen werden, jetzt kann das Aufstecken des smarten Thermostats beginnen. Nachdem das Gerät Strom hat, beginnt der Elektromotor zu laufen und fährt in eine Position, die das Aufstecken erleichtert. Auf dem Display erscheint „VALVE Install“. Kurz daraut erscheint „VALVE adapt“. Nach dem Aufschrauben des Homematic-IP-Thermostats auf den Adapter kurz auf die Einstellring drücken, die Adapterfahrt beginnt. Das war’s.

Schritt 3: „Anlernen“ der Geräte mit QR-Codes

Und auch die Einrichtung in der App zeigt sich alles andere als kompliziert. Im Menü „Gerät anlernen“ auswählen und schon sollte sich das gerade installierte Thermostat melden. Tut es das nicht – wie in fast allen Fällen bei unserem Test – genügt ein Druck auf die blau-umrandete Systemtaste. Übrigens, diese Taste hat jedes Gerät aus der Homematic-IP-Serie. Nachdem sich das Gerät „gemeldet“ hat, den QR-Code scannen und dann kann der Name des Thermostats und eine Zugehörigkeit zu einem Raum eingestellt werden. Ist der Raum noch nicht angelegt, wird er einfach hinzugefügt. Fertig. Einfacher geht es kaum. Nach erfolgreichem Einrichten erscheinen zum Raum in der App nun die aktuelle Temperatur und die Luftfeuchtigkeit.

So wie es mit den Thermostaten funktioniert, klappt es auch mit den anderen Geräten aus der Homematic-IP-Reihe. Das Wandthermostat zum Beispiel hat ebenfalls einen QR-Code, der zum Anlernen gescannt werden kann. Alternativ kann die Hexadezimale-Adresse des Geräts auch eingetippt werden. Scannen geht aber klar schneller.

Wer sich die optischen Tür- und Fensterkontakte, wie wir sie im Test hatten, zulegt, hat mit den Heizkörper-Thermostaten erst so richtig Freude. Denn wird das Fenster geöffnet, macht das Thermostat zu. Das spart Geld und funktionierte in unserer Testumgebung zuverlässig.

Daten werden per Funk übertragen

Übertragen werden die Daten zwischen Basisstation und den Geräten übrigens über Funk. Wer es genau wissen möchte, es wird auf einer Frequenz von 868 MHz übertragen. Eine Störung durch WLAN, Bluetooth oder andere Funkstandards im 2,4 GHz-Band ist dadurch ausgeschlossen. Diese Aussage der Herstellers wurde von unserem Test bestätigt. Es kam zu keiner negativen Funkbeeinflussung durch andere Geräte. Und auch die Übertragung durch Stahlbetonwände war beeindruckend. Vor Testbeginn waren wir skeptisch, ob mehr als eine Stahlbetonwand von den Funkwellen überwunden werden kann. Ergebnis: Sie können. Wer dennoch verkabeln möchte, kann die Homematic IP Wired nutzen. Wie der Name schon sagt, werden damit die Daten nicht mehr über Funk sondern über Kabel übertragen.

Fazit zu Homematic IP

Homematic IP von eQ-3 ist ein einfach zu installierendes und robustes Smart-Home-System. Eine Selbstinstallation ist problemfrei möglich. Egal ob Hauseigentümer oder Mieter, Homematic IP kann überall eingesetzt werden. Und: Es werden keine Daten vom Nutzer angefragt. Das System wird anonym betrieben und alle übertragenen Daten werden zusätzlich zuverlässig verschlüsselt. Für uns ist das eine Editors‘ Choice wert.