Nuki schickt mit der Version 2.0 sein smartes Schließsystem in die nächste Runde. Schneller soll es sein, Siri verstehen und Bluetooth 5 beherrschen. Wir haben die verbesserte Version aus Graz getestet.

Installiert ist das neue Nuki Smart Lock 2.0 aus der Steiermark fast schon im Handumdrehen. Kein Schließzylinder muss getauscht, keine Änderungen an der Tür vorgenommen werden. Damit kommt es nicht nur für Einfamilienhaus-Besitzer in die engere Wahl. Auch und gerade Mieter werden sich darüber freuen. Denn bei Auszug ist das elektronische Schloss genauso schnell entfernt, wie es installiert wurde. Und das ohne Spuren zu hinterlassen.

Kein Tausch des Schließzylinders

Nuki Smart Lock 2.0 im Test
Ein Tausch des Schließzylinders ist nicht notwenig, denn der Smart Lock aus Österreich dreht den Schlüssel einfach selbst.

Da kein spezieller Schließzylinder zum Einsatz kommt, sondern der Elektromotor den Schlüssel im Schloss dreht, ist das Nuki-System auch für Schließanlagen in Mehrfamilienhäusern ideal. Denn von außen kann weiterhin mit dem „alten“ Schlüssel geschlossen werden. Als sei gar kein smartes Schließsystem installiert. Die gesamte Installation erfolgt nämlich innen.

Die Installation der Smart Lock

Im Karton mitgeliefert werden zwei silberne Montageschilder – eins mit Klebung und eins mit Schrauben. Die Installation geht unkompliziert und schnell. Danach wird der Schlüssel in den Schließzylinder gesteckt und das eigentliche smarte System, der schwarze Kasten mit Drehknauf, auf die silberne Montageplatte aufgesteckt. Nun muss nur noch ein Magnet entsprechend Anleitung an den Türrahmen geklebt werden. Damit ist die mechanische Installation beendet. Übrigens, besagter Magnet regelt die Tür-offen-Erkennung.

Nach der Mechanik schlägt die Software, also die Handy-App, zu und kalibriert die smarte Einheit aus Österreich. Die App sollte dazu selbstredend vorher auf das Smartphone geladen werden. Zum Kalibrieren muss die Tür unter anderem geöffnet und angelehnt werden. Ist der „Lernprozess“ erfolgreich abgeschlossen – der Nutzer wird übrigens von der App durch die Prozedur geleitet – ist die Smart Lock einsatzbereit.

Nuki Smart Lock 2.0 im Test

Bridge macht die Internet-Verbindung

Verschließen, Öffnen und das Protokoll aller Schließvorgänge einsehen, das geht selbstverständlich auch aus der Ferne, also über das Internet. Dazu muss nur die Nuki Bridge in der Nähe (maximal 5 Meter) des smarten Schlosses in eine Steckdose gesteckt und eingerichtet werden. Letzteres geht ebenfalls über die App zum Schloss – unkompliziert und schnell. Die Brigde ist auch die Stellschraube für diejenigen, die zwar ein smartes Schließsystem nutzen, aber die Daten nicht in der Cloud sehen wollen. Wer also keine Daten in der Cloud möchte, lässt die Bridge einfach weg.

Mit Fob und Keypad

Wer noch einen aktiven Transponder, den Fob, und ein Keypad integrieren möchte, kann das ebenfalls bequem über die App tun. Einmal eingerichtet funktionieren beide „Türöffner“ problemfrei. Beim Fob genügt ein Druck auf den Taster und die aufgesperrte Tür wird verriegelt oder die entriegelte Tür wird zugesperrt. Er ersetzt damit den klassischen Schlüssel. Das Keypad entriegelt die Tür nach Eingabe eines vorher eingestellten PIN-Codes. Das Einrichten von Fob und Keypad hat bei unserem Test nicht auf Anhieb funktioniert und brauchte mehr als zwei Anläufe.

Automatisch auf und zu

Wer es gerne automatisch haben möchte, kann in der App unter anderem die Funktionen „Auto Unlock“ und „Lock ’n’ Go“ einstellen. Zu ersterer Einstellung schreibt der Hersteller: „Wenn du Auto Unlock aktiviert hast, erkennt das Nuki Smart Lock dein Telefon und öffnet dir automatisch die Tür, ohne dass du einen Finger rühren musst.“ In unserem Praxistest hat „Auto Unlock“ in gerade einmal der Hälfte aller Annäherungen die Tür wunschgemäß geöffnet und der Finger beziehungsweise die ganze Hand musste doch „gerührt“ werden. Die Funktion „Lock ’n’ Go“ verriegelt 20 Sekunden nach dem Aufsperren das Schloss wieder. Das sollte genügend Zeit sein, um die Tür zu durchschreiten.

Nuki Smart Lock 2.0 im Test

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Wer seine Nuki Smart Lock mit Hilfe einer sprachgewandten Lady aus der Riege Siri, Alexa und Co. steuern möchte, hat nun mehr Auswahl. Denn mit der Version 2.0 sprechen Alexa, Google Assistant und Siri mit dem Produkt aus Österreich. Apropos Sicherheit. Beim Datentransfer setzt Nuki auf Ende-zu-Ende Verschlüsselung, die auf die Bluetooth Low Energy (LE)-Kommunikation aufgesetzt wurde. Der Hersteller schreibt dazu: „Damit die per Bluetooth übertragenen Daten stets sicher vor Angreifern sind, werden die Daten bereits vor der Übertragung vom Sender (z.B. der App) verschlüsselt. Erst die bereits verschlüsselten Daten werden per Bluetooth übertragen und beim Empfänger wieder entschlüsselt.“ Übrigens, wenn der Nutzer die Bridge einsetzt und sein Nuki-Schließsystem aus dem Internet steuert, werden die Daten ebenfalls verschlüsselt. Der Hersteller dazu: „Dies könnte ein Angriffspunkt für potenzielle Angreifer sein. Daher sind auch sämtliche Daten, die von und zu euren Nukis über unsere Server und eure Bridges weitergeleitet werden, verschlüsselt.“

Fazit und Editors‘ Choice Award

Das Schließsystem von Nuki ist ein Nachrüstprodukt par excellence. Es ist schnell installiert, außer dem mitgelieferten Sechskantschlüssel wird kein Werkzeug benötigt und das System lässt sich genauso schnell ohne Rückstände deinstallieren. Auch wenn die vom Hersteller auf seiner Website propagierten 3 Minuten Setup-Zeit für den Otto-Normal-Heimwerker nicht wirklich zu halten ist. Vor allem, wenn der Download der App und die Einrichtung von Fob & Co, dazugehört. Sollte ein konventionelles Schließsystem, vielleicht in einem Mehrfamilienhaus, ins Spiel kommen, könnte die Weiternutzung des bestehenden Schließzylinders zum entscheidenden Vorteil werden. Ein Wehrmutstropfen sei an dieser Stelle dann doch erwähnt. Wer das Nuki Schließsystem einsetzt, informiert quasi automatisch seine Nachbarn über das Kommen und Gehen – eine Installation in einem Mehrfamilienhaus vorausgesetzt. Denn der Motor, der den Schlüssel dreht, arbeitet nicht wirklich geräuschlos. Dennoch: Das Nuki Smart Lock 2.0 ist uns den Editors Choice Award wert.